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Prof. Dr. Alex L. Shigo ist tot:
„Touch trees!“
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Erfasse den Baum mit all Deinen Sinnen!
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von Marko Wäldchen
Lest, lest, ja lest die Werke Eurer Wissenschaftler – und
- Ihr hattet wahrlich herausragende in Euerm Land, forderte Shigo bei seinem letzten
öffentlichen Deutschlandbesuch, während der Osnabrücker Baumpflegetage die
Zuhörerschaft sinngemäß auf. Seine zentrale und für seine Philosophie typische
Botschaft setzte er allerdings an das Ende seines Vortrages, die da eben
lautete: „Touch trees!“ Das Lesen ist zwingend erforderlich, aber ohne
sinnlichen Bezug, ohne eigene Erfahrung annähernd wertlos.
Nun ist Alex L. Shigo gegangen, am 06. Oktober 2006
gestorben.
Meistens, wenn das Werk eines Wissenschaftlers dazu führt,
dass tradierte Sichtweise und Praxis in relativ kurzer Zeit radikal verändert
wird (und hierfür gibt
es nicht viele Beispiele), hat dies damit zu tun, dass diese Person über
herausragende, interdisziplinäre Kenntnisse verfügt, interdisziplinär agiert
und bei ihrer Arbeit neue Wege geht und sich nicht beirren lässt von Kollegen,
die über dieses Anderssein die Nase rümpfen. Oh ja und ohne Zweifel, Prof. Dr.
Alex L. Shigo war eine solche Ausnahmegestalt – er, der sich nicht scheute,
sich von der Arbeit am Mikroskop zu erheben, um ein anderes Forschungswerkzeug
in die Hand zu nehmen, die Kettensäge, der sich seiner Berufung derart
unterwarf, dass er Erfrierungen an den Händen in Kauf nahm, die er sich während
Wurzelforschungen zuzog.
Seine fundamentale Leistung führte international zu einem
veränderten Verständnis des Lebewesens Baum und dessen Eingebundensein in die
Ökologie. Zudem hat seine, auch immer praxisbezogene Forschung in vielen
Ländern zu einem radikalen Wandel im Umgang mit Bäumen, zu einer neuen
Baumpflege geführt. Dass dies funktionierte und vor allem so rasch
funktionierte lag einerseits daran, dass viele gebildete Praktiker unmittelbar
zu dem Schluss kamen: Ja genau, so ist es, ähnlich eines Aha – Erlebnisses.
Andererseits und untrennbar damit verbunden lag dies an Shigos
pädagogisch-didaktischen Fähigkeiten, die unverwechselbar in seinen Büchern
manifestiert sind. Shigo hat gezeigt, dass populärwissenschaftliches
Publizieren Verpflichtung ist und eine hohe Kunst sein kann.
Shigos interdisziplinärer, ganzheitlicher Ansatz, die
gelebte Bereitschaft Gewohntes stets aufs Neue zu hinterfragen (man fühlt sich fast erinnert
an die Tradition tibetischer Buddhisten) und seine Hochachtung vor den
Praktikern sind beispielgebend und werden unvergesslich bleiben.
Alles hat seine Zeit. Alex, Sie hatten die Ihre und Sie
haben sie in herausragender Weise ausgefüllt. Wir verneigen uns in Dankbarkeit
und tiefer Sympathie!
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